Jahresthema 1700 Jahre Judentum in Deutschland


Aus dem Dezember des Jahres 321 datiert ein konstantinisches Edikt, das jüdischen Bürgern der römischen Colonia Agrippina (Köln) das Recht verleiht, Ämter in der Verwaltung der Stadt zu übernehmen. Dieser älteste urkundliche Beleg ist Anlass, um im Jahr 2021 bundesweit die Geschichte des Judentums in Deutschland zu erinnern. Hier finden Sie die Veranstaltungen zum Thema bei uns im Kirchenbezirk und die Plakataktion  „# beziehungsweise: jüdisch und christlich- näher als du denkst“ .

Hier der Flyer mit dem Jahresprogramm aus unserem Kirchenbezirk

Plakataktion: beziehungsweise Mai "Spirit bewegt"

Pfingsten und Schawuot
7 Wochen nach Ostern feiern wir Pfingsten. Das liegt daran, dass sich das Pfingstereignis am jüdischen Wochenfest  Schawuot ereignet hat. So wie Pessach und Ostern zusammengehören, so gehören auch Schawuot und Pfingsten zusammen.  Im Mittelpunkt  der beiden Feste steht die Erfahrung, dass Gott durch seine Geistkraft Menschen immer aufs Neue bewegt.  Das christliche Pfingstfest hat dabei eine Grenzen überschreitende in alle Welt hinauswirkende Dimension, während das jüdische Schawuot die Sammlung nach innen, die Gottesbegegnung im Studium der Thora feiert.

Eine jüdische Stimme zum Schawuot-Fest

Schawuot wird genau fünfzig Tage nach dem Pessachfest begangen und feiert die Offenbarung der Torah am Sinai. Eigentlich ist jede Torahlesung eine Vergegenwärtigung dieses Ereignisses, beim „Fest der Gabe der Torah“ aber noch einmal besonders, denn es werden die Zehn Gebote vorgetragen, die eine direkte Ansprache Gottes an Israel waren. Dieser Akt wird als eine Art Hochzeit zwischen Gott und Israel verstanden, und die Torah ist der Ehevertrag, der die gegenseitige Hingabe und Verpflichtung beider Liebender darlegt. Ein Sinnbild dieser Treue ist das biblische Buch Ruth, das dem Wochenfest als besondere Lesung zugeordnet ist.
Schawuot ist eines der drei Wallfahrtsfeste (Pessach und Laubhüttenfest sind die anderen beiden) und hat wie diese auch eine landwirtschaftliche Dimension. Es wird auch als „Fest der Erstlingsfrüchte“ bezeichnet, weil es den Beginn der Weizenernte und des Reifens der Sommerfrüchte in Feld und Garten markiert. Zum besonderen Festtagsopfer zu Tempelzeiten gehörte das Darbringen von Weizenbroten. Heute ist das Fest vor allem wegen des Tikkun, einer Lernnacht, populär, bei der man sich gemeinschaftlich bis in die frühen Morgenstunden dem Torahstudium hingibt. Wach gehalten wird man dabei durch die Vielzahl süßer und herzhafter Gerichte aus Milch und Käse, die dem Fest seinen besonderen Geschmack geben.
– Rabbinerin Dr.in Ulrike Offenberg

Plakataktion: beziehungsweise April „Umkehren zum Leben“

Eine jüdische Stimme zum Aprilthema Umkehr beziehungsweise Antisemitismus ist Sünde

„Antisemitismus hatte und hat mörderische Folgen, und selbst seine „milderen“ Varianten vergiften das Leben. Die religiös, rassisch oder politisch begründete Abwertung des Judentums fordert die jüdische Gemeinschaft zu allen Zeiten zu Antworten heraus. Manche Jüdinnen und Juden versuchten den Demütigungen zu entgehen, indem sie möglichst wenig als solche erkennbar sind und sich an die Umgebung assimilieren. Am anderen Ende des Spektrums finden sich jene, die diese Bemühungen als aussichtslos verwarfen und die Errichtung eines eigenen Gemeinwesens erstrebten, in dem Judenhass keine Chance mehr haben würde.
Jüdische Gegenwehr äußerte sich auch in vielfältigen Formen von Aufklärung, Apologetik und Entkräftung antisemitischer Anwürfe. Der Verunsicherung von außen wurde Stolz auf die eigene Kultur, Religion und Geschichte entgegengesetzt. Nur wenige ließen sich beeindrucken von christlichen Missionierungsversuchen, gleich ob sie als Zwang oder in vermeintlicher Liebe vorgetragen wurden.“   – Rabbinerin Dr.in Ulrike Offenberg


Die komplette Reihe finden Sie unter  www.juedisch-beziehrungweise-christlich.de

 

 

 

Plakataktion: beziehungsweise März „Frei von Sklaverei und Tod“

Eine jüdische Stimme zum Märzthema:

Pessach feiert den Auszug Israels aus der Sklaverei Ägyptens. In Erinnerung an diesen Befreiungsakt Gottes wird eine Woche lang ein Fest begangen, das bei religiösen wie bei säkularen Juden so tief verankert ist wie wohl kein anderer jüdischer Feiertag. Während der Pessachwoche werden alle Getreideprodukte aus dem Haushalt verbannt und an deren Stelle das „Ungesäuerte Brot“, die Matzah, und aus Matzemehl hergestellte Teigwaren gegessen.
Ein zentrales Gebot des Festes lautet, den Kindern von Auszug und Befreiung zu erzählen, um auch ihnen diese Identifikation mit der Geschichte Israels zu ermöglichen.
So beginnt das einwöchige Pessachfest mit dem Sederabend: Familie und Freunde oder auch die Gemeindemitglieder versammeln sich zu einem Festmahl, das einer bestimmten Ordnung („Seder“) folgt. Im Zentrum steht das gemeinsame Lesen der Haggadah, der mit Kommentaren, Psalmen und Liedern angereicherten Erzählung vom Auszug aus Ägypten. Dazu werden symbolische Speisen verzehrt, die die Bitternis der Sklaverei verdeutlichen sollen. Dieses Ritual richtet sich an Kinder und Erwachsene gleichermaßen, denn jede/r ist aufgefordert, sich als Teil dieser Geschichte zu erleben und sie sich zueigen zu machen.  – Rabbinerin Dr.in Ulrike Offenberg